Saubere Luft für SKB Bildungsoffensive


Maßnahmen zur Verbesserung der Innenraumluft steigern nachweislich die Erhöhung der Lernleistungen und fördern gesundes Lernen und Lehren – durch sauerstoffrei­che, Viren- und Pollen-arme Atemluft.

Kernstück ist die flächendeckende Installation von CO₂-Sensoren (NDIR-Ampelsyste­me) in Klassen- und Gemeinschaftsräumen: Sie ermöglichen datengestützte Lüftung, reduzieren krankheitsbedingte Fehlzeiten (geringere Aerosolübertragung) und beugen CO₂-bedingter Müdigkeit vor. Ergänzt wird dies durch mobile HEPA-Filter für schlecht belüftbare Räume sowie Lehrkräfte-Schulungen. Die Investition amortisiert sich durch geringere Produktivitätsverluste (RKI: 10–15 % Long-COVID-Risiko) und schafft – nach belgischem Vorbild – verbindliche Luftqualitätsstandards für Bildungsgerechtig­keit.

Kernbotschaft

Gesunde Luft ist kein Luxus, sondern die Basis für Konzentration, Gesundheit und Chancengleichheit.

Zu den Autoren:

Die Idee zur Einreichung eines Vorschlags für diese Bildungsoffensive entstand in der Grup­pe Kinder & Corona, die sich vor 5-6 Jahren eben während der Pandemie gebildet hatte. Ein­gereicht wird er namentlich von:

Angelo Rossi, Norbert Braumann

Teil I - Maßnahmen-Vorschlag

Ziel: Saubere Luft für höhere Bildungsleistungen

Die Offensive für mehr Bildungsqualität kann ihre Ziele zur Steigerung der Lernleistung und des Wohlbefindens durch die gezielte Implementierung kosteneffizienter Maßnahmen zur Verbes­serung der Innenraumluft maßgeblich unterstützen. Wir schlagen Maßnahmen vor, die den größten positiven Einfluss auf die Lernzeit, die Konzentrationsfähigkeit und die Reduktion von Fehlzeiten haben.

Zentraler Hebel: CO₂-Monitoring als Standard

Die Installation von fest installierten CO₂-Messgeräten (Ampelsystemen) in allen Unterrichts­räumen und stark frequentierten Bereichen (z.B. Kantinen) ist die Basis für datengestützte und sofortige Lüftungsentscheidungen.

Maßnahmen-Fokus:

Ergänzende Maßnahmen für besondere Anforderungen

Für Bereiche, in denen Stoßlüften schwer möglich ist oder in denen das Infektionsrisiko saiso­nal steigt, empfehlen wir ergänzende, skalierbare Lösungen.

Ökonomischer Nutzen

Die Investition in Sensortechnik und Filterwartung ist ein ökonomischer Hebel. Die Kosten für Produktivitätsverluste durch kranke Lehrkräfte und die Bildungsverluste der Kinder überstei­gen die Investitionen in gesunde Luft um ein Vielfaches. Saubere Luft sichert die Kontinuität des Bildungsweges.

Die wirtschaftlichen Folgen von fehlender Arbeitszeit und -kraft und die Folgen für die Bevöl­kerung insgesamt sind weitreichend, wie jüngst vom RKI für Deutschland festgestellt.

Im Bericht des RKI vom 25.02.2026 heißt es: „SARS-CoV-2-assoziierte gesundheitliche Langzeit­folgen stellen Public Health und Gesundheitsforschung weltweit vor große Herausforderun­gen.“ Weiterhin beziffert das RKI das Risiko von Long COVID für die Bevölkerung mit Stand Juni 2025 auf 10–15 % bei Erwachsenen. Das RKI kommt zu dem Schluss, dass die Folgen von noch immer im zweistelligen Millionenbereich stattfindenden Erkrankungen mit SARS-CoV-2 nicht einschätzbare langfristige Folgen für die Bevölkerung und das Versor­gungssystem haben.

Ausgewählte Referenzen (Kuratiert)

Die wissenschaftliche Evidenz für den Zusammenhang zwischen guter Innenraumluft (niedri­ges CO₂) und verbessertem Lernerfolg, Konzentration sowie reduzierter Krankheitsübertragung ist umfassend belegt:

Umweltbundesamt (2008): Leitfaden für die Innenraumhygiene in Schulgebäuden, 142p. https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/publikation/long/3689.pdf → CO₂ als zentrale Leitsubstanz für Raumluftqualität und deren Einfluss auf die Leistungsfä­higkeit.

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (update 2026) Raumluftqualität in Innenräumen, Webseite https://www.dguv.de/ifa/praxishilfen/innenraumarbeitsplaetze/raumluftqualitaet/ → Empfiehlt Lüftungsmaßnahmen ab 1.000 ppm CO₂.

Morawska, et al. (2024) Mandating indoor air quality for public buildings, Science, Vol 383, Issue 6690, pp. 1418-1420 https://doi.org/10.1126/science.adl0677 Open Access:
https://eprints.qut.edu.au/247686/1/MORAWSKA_Mandating_IAQ_for_public_buildings.pdf → Forderung nach verbindlichen internationalen Mindeststandards für die Innenraumluftqua­lität in öffentlichen Gebäuden.

Banholzer et al. (2025): Respiratory virus transmission in schools, Nature Communications vo­lume 16, Article number: 11678. https://www.nature.com/articles/s41467-025-66719-3 → Be­legt die wesentliche Rolle der Aerosol-Exposition in Schulen für die Virusübertragung.

Nübel et al. (2026) Long COVID bei Erwachsenen – eine aktuelle Bestandsaufnahme zu ge­sundheitlichen Langzeitfolgen nach SARS-CoV-2-Infektion. Journal of Health Monitoring. Long COVID bei Erwachsenen - eine aktuelle Bestandsaufnahme zu 2026;11:02. https://doi.org/10.25646/13576 → Long COVID bei Erwachsenen: 10–15 % sind enorme Zahlen.

Gesundheitsamt Bremen (2012) Projekt care4air → Das Gesundheitsamt Bremen betrieb be­reits erfolgreich ein Leihangebot für CO₂-Ampeln – ein Konzept, das nun skaliert werden kann (soll).

Belgien (2024): Gesetz zur Innenraumluftqualität.
https://www.health.belgium.be/de/professionals/unternehmen/innenraumluftqualitaet-oeffentliche-plaetze/betreiber-oeffentlicher-plaetze → Belgien hat ein Gesetz zur Innenraumluftqualität, das dafür sorgt, dass bis 2037 alle Innenräume (Schule, Kino, Restaurant, Verwaltung) verbindliche Innenraumluftstan­dards einhalten müssen: Bremen hat durch die Qualitätsoffensive die einmalige Chance, den Weg für gesündere Innenraumlufthygiene zu gehen, den Belgien bereits 2022 einge­schlagen hat. Dort müssen nach einer Übergangsfrist alle Betreiber öffentlicher Räume (Schule, Kino, Restaurant, etc.) bis 2037 verbindliche Innenraumluftstandards einhalten. Dazu zählen niedrige CO2-Werte und Reduktion von Schadstoffen durch Luftfilter.

McLeod, R.S., Hopfe, C.J., Villanova, L., Pollozhani, F., Gus n, M., Perkovic, T., Aznira, M. (2025) Verbesserung der Lu qualität in Schulen (ImpAQS): eine Längsschni studie zur Belü ung und Innenraumlu qualität in österreichischen Klassenräumen - Kurzfassung . Graz, Österreich: Technische Universität Graz. https://doi.org/10.3217/978-3-99161-056-4-001. Available online: https://openlib.tugraz.at/download.php?id=6836eed13ff06&location=browseZitat: “Der Einsatz von sichtbaren CO2-Monitoren und Lüftungsempfehlungen machte einen signifikanten Unterschied bei den Lüftungspraktiken in natürlich belüfteten Klassenzimmern im Vergleich zu ähnlichen Klassenzimmern ohne sichtbare Informationen. Im Jänner melde­te ein Viertel der natürlich belüfteten Klassen (mit sichtbaren CO2-Monitoren) CO2-Konzentra­tionen, die 500 ppm niedriger waren als in den entsprechenden Klassenzimmern ohne sicht­bare Sensoren. Dieses Ergebnis zeigt den Mehrwert des Einsatzes von CO2-Sensoren in na­türlich belüfteten Klassenzimmern (mit sichtbaren Ampelsystemen), insbesondere in den kälteren Monaten”

Teil II - Weitere Ressourcen

Bremer Gesundheitsamt war hier schon einmal Vorreiter — lange vor COVID-19

Unter dem Namen care4air betrieb das Gesundheitsamt Bremen (Abteilung Umwelt­hygiene) seit mindestens 2012 ein Leihangebot für CO₂-Ampeln an Bremer Schulen und Kitas. Das Programm „Gute Luft in Bremer Kitas und Schulen” stellte Luftgüte-Ampeln kostenlos zur Verfügung — genau das Ampelsystem, das heute als Best Practice gilt.

Dieses Programm existierte, weil das Gesundheitsamt Bremen das Problem er­kannte und handelte. Es wurde nicht beendet, weil es nicht funktioniert hätte — sondern weil die Mittel fehlten.

Die Qualitätsoffensive bietet nun den institutionellen Rahmen und die Finanzierungs­grundlage, um das fortzuführen und zu skalieren, was das Gesundheitsamt Bremen bereits vor über einem Jahrzehnt als notwendig erkannt hatte.

Während der COVID-19-Pandemie folgten weitere Schritte:

Bislang fehlen jedoch Echtzeit-Luftqualitätsdaten — ein Standard, den andere deutsche Städte bereits erfüllen:

Ökonomischer Hebel: Produktivität und Kosteneffizienz

Saubere Luft ist ein „Wirtschaftsmotor”. Die materiellen Kosten durch Produktivitäts­verluste und die immateriellen Kosten durch ineffektives Lernen übersteigen die In­vestitionen in Sensortechnik und Filterwartung um Größenordnungen. Werden Kinder und Lehrkräfte seltener krank, sichert dies die Kontinuität des Bildungsweges (vgl. Re­duktion von Schulabsentismus).

Eine Kostenschätzung nach steigendem Aufwand:

   
Maßnahme Aufwand
Bewusstseinskampagnen für Schulen und Verwaltung Sehr gering
Priorisierung von Messkampagnen (Schulen, Behörden) Gering
Übernahme von Bestpraktiken / Re­gulierungen Gering bis moderat
Unterstützung für Betriebe (z. B. Steu­ererleichterungen) Gering bis moderat

Ökonomischer Hebel: Prävention/Bewusstsein vs. Nichts-Tun (Schu­len)

Bewusstseins-Szenario

Grobe Überschlagsrechnungen. Kostenschätzung pro Student:

Über 5 Jahre betragen die Sensorkosten pro Student und Jahr ~1 EUR

         
Sensorpreis Schüler pro Klas­se Zusätzlicher Ge­meinschaftsraumfaktor Lebensdauer der Sensoren (Jahre) Jährliche Kosten pro Student
A B C D E
100 25 0.25 5 1

(A/B)/D + [(A/B)/D]*C

Nichts-Tun-Szenario

Ein Nichts-Tuns-Szenario kann 300mal mehr kosten als ein Bewusstseins­szenario

https://www.baua.de/DE/Themen/Monitoring-Evaluation/Zahlen-Daten-Fakten/Kosten-der-Arbeitsunfaehigkeit

Natürlich können CO₂-Messgeräte allein schon einen Unterschied machen, wenn die Belüftung gewährleistet ist. In fensterlosen, schlecht belüfteten Räumen und Labors ist jedoch mehr erforderlich (z.B Filtern + mechanische Belüftung).

Wissenschaftliche Grundlagen & Monitoring

Umweltbundesamt (UBA): Leitfaden für Innenraumhygiene in Schulgebäuden

Das UBA betont seit Jahren, dass CO₂ die zentrale Leitsubstanz für die Güte der Raum­luft ist.

DGUV: Technische Regelwerke für Innenraumarbeitsplätze

In Deutschland empfiehlt die DGUV Lüftungsmaßnahmen ab CO₂-Werten zwischen 1.000 und 2.000 ppm und verpflichtende Maßnahmen ab 2.000 ppm.

BAUA: Technische Regeln für Arbeitsstätten ASR 3.6 4.2.

IMPAQS Studie (Österreich)

Verbesserung der Luftqualität in Schulen (ImpAQS): eine Längsschnittstudie zur Belüf­tung und Innen-raumluftqualität in österreichischen Klassenräumen - Kurzfassung: https://openlib.tugraz.at/download.php?id=6836eed13ff06&location=browse → “Der Einsatz von sichtbaren CO2-Monitoren und Lüftungsempfehlungen machte einen si­gnifikanten Unterschied bei den Lüftungspraktiken in natürlich belüfteten Klassenzim­mern im Vergleich zu ähnlichen Klassenzimmern ohne sichtbare Informationen”

Initiative Gesundes Österreich (IGÖ): „Saubere Luft für Helle Köpfe”

Die IGÖ zeigt praxisnah auf, wie durch CO₂-Ampeln und HEPA-Filter die Luftqualität in Schulen gesichert werden kann. Plakate, Flyer und Leitfäden für Schulen visualisieren den Zusammenhang zwischen Luftqualität und Lernerfolg.

Internationale Wissenschaftskommunikation: Ruf nach verbindlichen Standards

Eine Schlüsselpublikation in Science (2024) fordert verbindliche internationale Min­deststandards für die Innenraumluftqualität in öffentlichen Gebäuden:

Auch die WHO hat 2024 ein Risikoabschätzungsmodell für Aerosolübertragung in In­nenräumen veröffentlicht:

Aerosol-Übertragung und Luftqualität in Schulen

Nature Communications: Aerosol-Übertragung in Schulen

Eine aktuelle Studie in Nature Communications (2025) belegt, dass Aerosol-Exposition im gemeinsamen Klassenraum wesentlich zur Virusübertragung beiträgt – oft stärker als direkter Nahkontakt.

CO₂ als Proxy für Infektionsrisiko

Iwamura & Tsutsumi (2023) zeigen, dass CO₂-Konzentration als verlässlicher Indikator für das SARS-CoV-2-Übertragungsrisiko im Innenraum genutzt werden kann:

HEPA-Filter in der Praxis

Studien belegen die Wirksamkeit mobiler Luftreiniger (HEPA) zur Reduktion infektiöser Aerosolpartikel:

Belüftung und Infektionsschutz

Eine retrospektive Kohortenstudie in italienischen Schulen zeigt: Verbesserte Belüftung reduziert SARS-CoV-2-Übertragung signifikant.

Vgl. auch den Bericht der Lancet COVID-19 Commission:

Gesundheitliche Langzeitfolgen und Prävention

Robert-Koch-Institut (RKI): Long COVID Statistiken

Die Prävention von Atemwegsinfektionen durch saubere Luft ist entscheidend, um die Belastung durch Long COVID zu minimieren.

Immunsystem und Langzeitfolgen

Neuere Studien belegen, dass SARS-CoV-2 – oft unabhängig von der Schwere des Ver­laufs – langfristige Schäden am Immunsystem hinterlassen kann. Ein Verlust von bis zu 70 % bestimmter Immunzellen wurde beobachtet, was die Anfälligkeit für andere In­fektionen signifikant erhöht.

Ökonomie und Produktivität

Wiener Zeitung: Saubere Luft als Wirtschaftsmotor

Investitionen in die Luftqualität rechnen sich durch die Vermeidung von Fehlzeiten und die Steigerung der kognitiven Leistung. Die Kosten für Kampagnen und Sensortechnik sind gering im Vergleich zu Produktivitätsverlusten durch kranke Lehrkräfte und Bil­dungsverlusten der Kinder.

Kostenabschätzung ASHRAE 241

Eine eingehende Analyse der Kosten einer Implementierung nach ASHRAE 241 (US-Standard für gebäudetechnische Luftqualität):

Belgien: Hat ein Gesetz zur Innenraumluftqualität, das dafür sorgt, dass bis 2037 alle Innenräume (Schule, Kino, Restaurant, Verwaltung) verbindliche Innenraumluftstan­dards einhalten müssen: https://www.health.belgium.be/de/professionals/unternehmen/innenraumluftqualitaet-oeffentliche-plaetze/betreiber-oeffentlicher-plaetze

Bremen hat durch die Qualitätsoffensive die einmalige Chance, den Weg für gesünde­re Innenraumlufthygiene zu gehen, den Belgien bereits 2022 eingeschlagen hat. Dort müssen nach einer Übergangsfrist alle Betreiber öffentlicher Räume (Schule, Kino, Re­staurant, etc.) bis 2037 verbindliche Innenraumluftstandards einhalten. Dazu zählen niedrige CO2-Werte und Reduktion von Schadstoffen durch Luftfilter (Quelle siehe Link oben).

Ställe: Selbst für Tierställe gibt es verbindliche Gesetze: https://www.nutztierhaltung.de/schwein/mast/oekonomie/neufassung-der-ta-luft/

Paradoxerweise wird momentan in Deutschland die Luftqualität von Tierställen insbe­sondere in der Massentierhaltung gesetzlich geregelt, doch die Luft, die unsere Kinder für mehr als acht Stunden täglich atmen müssen, wird ein geringerer Stellenwert zu­gesprochen.

5. Internationaler Überblick und Regulierungen

Ländervergleich

Ressourcen und weiterführende Links

Erstellt im Rahmen der Partizipationsphase zur Qualitätsoffensive 2026/2027 (Bremen). Saubere Luft für Bildungschancen: Konkrete Maßnahmen zur Steigerung der Bildungsqua­lität in Bremen. Kurzfassung: Wirksamste und kosteneffiziente Maßnahmen für eine gesun­de Lernumgebung


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  • Angelo Rossi, Bremen - 2026-04-08
  • Norbert Braumann, Bremen - 2026-04-08
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